Um nicht den Umweg über einen Content Aggregator oder Digitalen Vertrieb gehen zu müssen, ist es natürlich auch denkbar (wenn auch mit wesentlich mehr Aufwand verbunden), dass Labels im Zusammenschluss ihre gebündelten Kataloge Shops direkt anbieten, oder auch direkt mit kleinen, spezialisierten Shops zusammen arbeiten. Zwischen den einzelnen Online-Shops gibt es allerdings signifikante Unterschiede.
Eine oft vorgenommene Klassifizierung der Shops ist die Kategorisierung nach Größe beziehungsweise Intention, beispielsweise in die Gruppen „Global Player“ (z.B. iTunes), welche eigene Standards auf dem weltweiten Markt durchsetzen wollen, „Player International“ (z.B. Napster), welche international über ein weltumspannendes Vertriebsnetz operieren, „Player National“ (z.B. Musicload), welche sich auf den nationalen Markt konzentrieren und schließlich die „Independent Spezialisten“ (z.B. Finetunes) sowie die verschiedenen Label- (z.B. Bleep) und Artist-Websites (z.B. Die Ärzte Download-Shop).
Eine andere Möglichkeit der Klassifizierung ist die nach der zugrunde liegenden Technik, nämlich die Unterscheidung zwischen Download- und Streaming-Angeboten. Während beim Download die Daten direkt auf der Festplatte gespeichert werden, wird beim Streaming der Datenstrom lediglich in einem Puffer zwischengespeichert und vom Decoder mit geringer Zeitversetzung ausgelesen.
Derzeit wird der Markt noch klar von „klassischen“, zumeist als Á-la-carte- oder Pay-per-Track-Modelle bezeichneten Download-Angeboten dominiert, allen voran iTunes. Doch die Streaming-Technologie gewinnt immer mehr an Relevanz – vor allem dadurch, dass die Musik nicht mehr nur an den Computer gekoppelt ist, sondern Audio- und Video-Streams einfach und billig über das Mobiltelefon und andere Endgeräte zu empfangen sind. Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie der Firma Music Alley und des Marktforschungsunternehmens The Leading Question unter britischen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren nahe. Somit macht die Allverfügbarkeit von Musik deren Besitz, der im Moment noch vielen Konsumenten wichtig ist, schließlich obsolet.
Zu den wichtigsten Streaming-Angeboten gehören Rhapsody, Last.fm, we7, Steereo, Spotify, Simfy und Deezer. Zwischen den einzelnen Angeboten gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. So kann man Last.fm am ehesten mit einem personalisierten Radio vergleichen, auf das die Labels ihre Musik auch direkt selbst hochladen können, während Spotify sich bewusst am Download-Shop-Marktführer iTunes orientiert und eng mit Content Aggregatoren zusammenarbeitet. Dies macht nicht zuletzt lizenzierungsrechtlich einen gewaltigen Unterschied, da Streaming-Angebote, die eine genaue, selbstbestimmte Titelauswahl als Stream über Abonnements ermöglichen, seitens der GEMA tariflich mit Download-Shops gleichgestellt werden, andere aber Internetradios oder aber interaktiven Radios zugeordnet werden und somit jeweils anders vergütet werden müssen. Insbesondere aus diesem Grund sind einige Streaming-Dienste wie etwa Spotify noch nicht in Deutschland verfügbar.
Auch bei den Download-Angeboten macht es Sinn eine weitere Unterscheidung vorzunehmen, nämlich die zwischen den führenden Pay-per-Track- und Abonnement-Modellen. Neben iTunes gehören zu den wichtigsten Vertretern von Pay-per-Track in Deutschland AmazonMP3, MSN Music, Musicload, Jamba, 7digital, Finetunes und Beatport. Das wichtigste reine Abo-Modell (auch: Subscription-Service) ist Emusic.
Allerdings verschwinden zusehends die Grenzen zwischen Abo- und Pay-per-Track-Modellen, ebenso die zwischen reinen Streaming- und Download-Angeboten. So kann man mittlerweile bei den meisten Streaming-Diensten die Songs auch direkt über einen Kauflink erwerben, während Download-Anbieter wie beispielsweise Musicload – und in naher Zukunft wohl auch iTunes – dazu übergehen, Streaming-Flatrates anzubieten. Napster ist ein gutes Beispiel dafür. Hier kann man einzelne Titel erwerben, Musik über eine Flatrate streamen und gegen Aufpreis die Musik auch auf das Mobiltelefon laden. Dies ist auch bei anderen Anbietern möglich, am bekanntesten dafür dürfte in Deutschland Jamba sein.
Daneben gibt es aber auch noch reine Mobile Download-Plattformen, welche in der Regel von Mobilfunk- und Telekommunikationsunternehmen betrieben werden, wie zum Beispiel Nokia Music oder Vodafone Music. Auch hier ist das Pay-per-Track-Modell führend, im Mobile Bereich hat sich dafür die Bezeichnung Over-The-Air (OTA) etabliert. Häufig wird auch „Dual Delivery“ angeboten. Das bedeutet, dass dem Käufer zusätzlich zum mobilen Download auch noch eine zweite Version des Titels für den PC zur Verfügung gestellt wird. Gerade das Geschäft mit Mobile Downloads birgt noch sehr viel Potential, da hier zum einen Impulskäufe gefördert werden und zum anderen die bequeme Abrechnung über die monatliche Telefonrechnung möglich ist.
Digital Rights Management (DRM) verliert hingegen über alle Geschäftsmodelle und Plattformen hinweg rasant an Bedeutung und wird aller Voraussicht nach schon in naher Zukunft keine Rolle mehr spielen.